

Wenn über Fotografie gesprochen wird, kann von Beweisen, erst recht von konkreten Beweisen, schon lange nicht mehr die Rede sein. Barthes „ça a été“ ist im Zuge der
Digitalisierung aus dem Blickfeld geraten und die Unsicherheit, über das, was man da eigentlich sieht, immer größer geworden.
Aber nun, in einem Moment höchster Präzision der technischen Bilder, kann man plötzlich feststellen, dass eine Reihe junger Künstler sich mit scheinbar obsolet
gewordenen analogen Techniken aus der Fotografiegeschichte beschäftigen und diesen etwas anderes abgewinnen als nostalgische Patina. Es geht um die Repräsentation
von Materialien und Prozessen, es geht wieder um die Fotografie selbst. Das Narrative ist fast verschwunden, erzählt wird lediglich von aufzunehmenden Spuren,
Abdrücken, Anhäufungen von Indizien. Indizien dafür, dass da eben doch etwas gewesen ist, auch wenn es sich nur um ein Material oder vielleicht auch nur um einen
Lichtstrahl handelt.
Marieta Chirulescu verwendet in ihren fotografischen Arbeiten teils gefundenes Bildmaterial: Abbildungen aus der
ehemaligen rumänischen Kunstzeitschrift Arta, private Fotografien oder anonyme Vorlagen werden gescannt und digital manipuliert, indem diverse Filter und
Effekte schichtweise die Bilder überlagern oder nur noch Splitter der ursprünglichen Darstellung Verwendung finden. Manche vermeintlich gegenständlichen Motive sind
vollständig digital erzeugt, andere das Ergebnis von handgefertigten und anschließend wieder fotografierten Collagen. Marieta Chirulescus komplexe Bildfindungsprozesse,
für die sie sowohl analoge als auch digitale Techniken verwendet, lassen Bilder von irritierender Tiefe entstehen. Das Licht selbst (und seine Wege) werden zum
Material, wenn ein Spiegel gescannt und das Gerät damit an seine Grenzen gebracht wird. Das gerade noch Gegenständliche, doch nicht ganz Benennbare, die Wiedergabe der
Oberflächenstruktur eines Papiers: es ist die Faktur, die den besonderen Reiz dieser scheinbar der Nostalgie verschriebenen und zugleich hypermodernen Arbeiten
ausmacht.
Chirulescu verhandelt konzeptuelle Fragen des Fotografischen ebenso wie solche der Malerei.
Camera (2008), eine Arbeit von Alexander Gutke, ist ein Modell von Thomas Edisons 1893 errichtetem Filmstudio, das
man auch ironisch „Black Maria“ nannte (ein Vergleich mit den damals üblichen, schwarz verblendeten Polizeitransportern). Das Originalgebäude, von dem nur noch ein paar
Fotos existieren, war aus Holz gebaut. Im Dach gab es eine Öffnung, und die ganze Konstruktion konnte auf einer Schiene gedreht werden, um das wandernde Tageslicht
maximal nutzen zu können. Gutke hat sein Modell in Stahl gebaut und mit einer Fotoemulsion bestrichen. So sammelt das Objekt das Licht im Raum und damit potentielle
Bilder auf seiner Oberfläche, ohne dass diese jemals sichtbar würden.
Für die Videoanimation Cine-scope (2008) wurde ein Filmstreifen gescannt. Staub, Fussel und Kratzer sind die einzigen identifizierbaren Spuren auf dem
ansonsten leeren Filmmaterial. Diese Spuren, die in einem narrativen Film den Betrachter aus der filmischen Illusion reißen, erzeugen hier einen tranceartigen Effekt.
Durch die Überlagerung verschiedener Schichten und in der Vergrößerung wird räumlicheTiefe suggeriert, vergleichbar einer Fahrt durch eine Waldlandschaft.
Cine-scope verbindet die analoge Quelle und ihre digitale Repräsentation zu einer schwindelerregenden medialen Selbstreflektion.
Josh Brands kleinformatige Fotografien erinnern stilistisch an die experimentelle, kameralose Fotografie zu Beginn des
20. Jahrhunderts. Er bearbeitet Farbfotopapier mit verschiedenen analogen Prozessen: Der Zufall spielt bei der Produktion seiner Arbeiten eine entscheidende Rolle,
wenn er zum Beispiel die Papiere tagelang in seiner Wohnung auslegt, sie dabei stellenweise abdeckt und sowohl Tages- als auch Kunstlicht aussetzt. Zeichnerische
Interventionen auf der Oberfläche sowie verschiedene Farbdrucktechniken erweitern die bildnerischen Mittel über das Fotogramm hinaus. Was diese Foto-Unikate
darstellen, ist keine außerbildliche Realität, sondern es handelt sich hier vielmehr um Objekte aus fotografischem Material.
Die Arbeit Slidelength (1969-1971) von Michael Snow besteht aus 80 Dias, die in einem Intervall von 15 Sekunden
projiziert werden. Die Fotografien zeigen unter anderem immer wieder eine Hand, die Farbfilter, eine Glasscheibe, aber auch Abzüge von Stills aus dem Film
Wavelength (1967) in den Bildausschnitt hält. Teils wird das Licht der Projektorlampe auf den verschiedenen Oberflächen reflektiert. Auf der abgebildeten Wand,
wie auch auf der Wand im Ausstellungsraum, erzeugt es farbige Flächen, wenn es auf transparente Materialien trifft. Slidelength zeigt neben den Quellen
(technische Apparate, Licht, Filmstreifen) zugleich auch das Resultat, das mit Hilfe dieser Mittel produziert wird.
Josh Brand
Né en 1980 à Elkhorn, Wisconsin, USA
Vit et travaille à Brooklyn, New York, USA
Expositions individuelles
• Herald St, Londres (2009)
• Statements, Art Basel, Bâle (2009)
• Liste 08, Herald St, présentation en duo avec Brian Moran, Bâle (2008)
• White Columns, New York, NY (2007)
Expositions collectives et Projections
• Strip Stripe, Emily Harvey Foundation, New York (2009)
• A Twilight Art, Harris Lieberman, New York (2009)
• My Summer Show, Galerie Lelong, NYC, curated by Cristina Delgado (2009)
• Bianca Beck, Josh Brand, Matt Connors, Zak Prekop, Hayley Tompkins, Sue Tompkins, Shane Campbell, Chicago, USA (2008)
Avec le groupe Hurray (Richard Aldrich, Josh Brand, Pete Mandradjieff & Zak Prekop)
• Bring the War Home, Elizabeth Dee Gallery, New York, NY, QED, Los Angeles, CA (2006)
• Hurray, The Mandrake, Los Angeles, CA (2006)
• The Fact, Abstract, Dorsky Gallery, Long Island City, NY (2006)
• Surfing the Surface, Galleria Paolo Bonzano, Rome, Italie (2006)
• Hurray, Project Room, Nicole Klagsbrun Gallery, New York, NY (2005)
Visuels:
Links:
http://www.fusetronsound.com/label.php?whomart=hurray
http://www.heraldst.com
Marieta Chirulescu
1974 née à Sibiu, Roumanie
Vit et travaille à Berlin, Allemagne
Expositions individuelles (sélection)
• Projektraum der Temporären Kunsthalle Berlin (2009)
• Kunsthalle Mainz, Mayence (2009)
Expositions collectives (sélection)
• Against Interpretation, Studio Voltaire, Londres (2009)
• Marieta Chirulescu / Sascha Hahn, Galerie Kienzle & Gmeiner, Berlin (2009)
• Nothing to say and I am saying it, Kunstverein Freiburg (2009)
• Marieta Chirulescu / Claudia Kugler, Galerie Sima, Nuremberg (2009)
• Marieta Chirulescu / Manuela Leinhoß, DickSmith Gallery, Londres (2008)
• Ulla Rossek / Marieta Chirulescu, samsa project room, Berlin (2008)
• Fade to Grey, bell street project space, Vienne (2007)
• Finish, ehem. Autohaus Tschernitz, Karlsruhe (2007)
Visuels:
Links:
http://www.marieta-chirulescu.de
http://www.mickyschubert.de
Alexander Gutke
Né en 1971 à Gothenburg, Suède
Vit et travaille à Malmö, Suède
Expositions individuelles (sélection)
• Culturgest, Porto / Museum of Contemporary Art, Detroit, curated by Chris Sharp (2009)
• Galerija Gregor Podnar, Berlin (2008)
• Hollybush Gardens, Londres (2007)
• Sies + Höke Galerie, Düsseldorf (2007
Expositions collectives (sélection)
• Un Plan Simple, La Maison Pop, Montreuil, curated by Le Bureau (2009)
• L’éternel Retour 1: La Méduse, La Salle de Bains, Lyon (2008)
• Object, The Undeniable Success of Operations, Stedelijk Museum Bureau, Amsterdam (2008)
• Trava Linguas (Tongue-twister), Vera Cortes, Lisbon, Portugal. curated by Joana Neves (2008)
• Die Wörter, Die Dinge, Kunstverein Düsseldorf (2007)
• Objet à part, La Galerie, Noisy-le-Sec, curated by Bettina Klein (2006)
• Phases of the Moon, Irma Vep Lab, Lieu de création contemporaine, Châtillon sur Marne (2006)
Visuels:
Links:
http://www.gregorpodnar.com
Michael Snow
Né en 1929 à Toronto, vit et travaille à Toronto, Canada
Expositions individuelles (sélection)
• Yes Snow Show, at BFI Southbank Gallery, Londres (2008)
• Michael Snow, La Box - école Nationale Supérieure d´Art de Bourges (2005)
• Instant Snow, Centre Georges Pompidou, Paris (2002)
• Michael Snow - Fragments d'une rétrospective - 1962-1999 - Mamco - Musée d´art moderne et contemporain, Genève (2000)
• Panoramique. œuvres photographiques & films 1962-1999, Société des Expositions du Palais des Beaux-Arts, Bruxelles/ Centre national de la photographie, Paris / Centre pour l’image contemporaine, Genève (1999)
• Michael Snow - Musée d´art contemporain de Montréal, Montréal, QC (1995)
• Michael Snow - Centre Pompidou - Musée National d´Art Moderne, Paris (1978)
• Projects: Michael Snow, Photographs - MoMA - Museum of Modern Art, New York, NY (1976)
Michael Snow a participé à de nombreuses expositions collectives, dont récemment:
See this Sound au Lentos Kunstmuseum à Linz (2009/2010), à la Manifesta 7 (Amsterdam, 2008), la 16ème
Biennale de Sydney (2008), la 27ème Biennale de São Paulo (2006), la Whitney Biennial, New York (2006), à
l’exposition Stillness en duo avec Sam Taylor-Wood au MoMA -Museum of Modern Art, New York (2005).
Visuels:
Links:
http://www.ccca.ca
http://www.martineaboucaya.com
http://www.angelsbarcelona.com
http://www.cuttsgallery.com
http://www.jackshainman.com
Commissaire invitée: Bettina Klein
*1970 à Wadern / Sarre, vit et travaille à Berlin.
études d’histoire de l’art et de littérature française à Marburg, Toulouse et Berlin.
Commissariat d'expositions (sélection) :
• Personne, exp. collect. (Becky Beasley, Gert Robijns, Eiko Grimberg), Galerie Schleicher & Lange, Paris (nov. 2009)
Commissaire des expositions du prix artistique allemand blauorange:
• Kitty Kraus, Kunstverein Heilbronn (2008)
• Björn Braun, Kunstverein Braunschweig (déc. 2009)
• Filaturen, exp. collect. (Hervé Beurel, Simon Denny, Sergej Jensen, Ian Kiaer, Kitty Kraus, Victor Man, Gyan Panchal, Gert Robijns, Pierre Savatier), Galerie Sies+Höke, Düsseldorf (2007)
• Le mythe du cargo, exp. collect. (Gérard Fromanger, Tue Greenfort, Daniel Pflumm, Bernard Rancillac, Franck Scurti, Iren Stehli, Christine Würmell), Galerie Fernand Léger, Ivry-sur-Seine (2007)
• Objet à part, exp. collect. (Ryan Gander, Alexander Gutke, Maria Loboda, Kirsten Pieroth, Wilhelm Sasnal, Albrecht Schäfer, Florian Slotawa, Simon Starling), La Galerie, Noisy-le-Sec (2006)
• Ce qui reste, exp. collect. (Oystein Asaan, Hervé Beurel, Tue Greenfort, Markus Lohmann, Jonathan Monk, Manfred Pernice, Albrecht Schäfer, Corinna Schnitt, Monika Sosnowska, Christine Würmell), FRAC Bretagne, Galerie du TNB, Rennes (2004)
Horaires d’ouverture
Ouverture du mercredi au dimanche de 14h à 18h.
Fermeture les jours fériés
Visites commentées
Visites commentées et accueil scolaire sur rendez-vous au +33 (0)3-88-25-69-70 - services entièrements gratuits - www.ceaac.org.
CEAAC
7, rue de l'Abreuvoir
F-67000 Strasbourg, France
Tél. : +33 (0)3-88-25-69-70
Fax : +33 (0)3-88-35-59-77
www.ceeac.org
info@ceeac.org
Gérard TRABAND
Président du CEAAC
Vice-Président de la Région Alsace
Evelyne Loux
Directrice
Paul Guérin, Chargé de mission
Karine Jumel, Assistante de direction, contact presse
Élodie Gallina, Chargée des relations internationales
Gérald Wagner, Chargé des relations avec le public
Roland Görgen, Régisseur
Accessibilité
Du centre ville, place de l’Homme de Fer, 2 solutions :
Prendre le tram A direction Illkirch Lixenbuhl ou tram D direction Etoile Polygone, arrêt Etoile Bourse ; puis prendre
le bus 15 direction Robertsau Mélanie, arrêt Cité Administrative.
Prendre le tram C direction Esplanade arrêt Esplanade ; puis prendre le bus 15 direction Holtzheim Ouest arrêt
Cité Administrative.
Größere Kartenansicht
Colophon
Commissaire invitée: Bettina Klein
Design: Heimann und Schwantes, Berlin
Réalisation: Josse de Bruijne, Leipzig